Hintergrund


Von den geschätzt 1,2 Millionen Tuareg leben 800.000 im Staat Niger. Die übrigen in Algerien, Libyen, Mali und Burkina Faso.

Kurz zum Staat Niger: Niger ist wahrscheinlich das ärmste Land der Erde. Das Bruttosozialprodukt liegt pro Einwohner bei Euro 200 bis 250 jährlich. Die Lebenserwartung beträgt 47 Jahre, die Kindersterblichkeit 11,5 %. Auf 40.000 Einwohner kommt ein Arzt, d.h. im dünn besiedelten Norden, wo die Tuareg extensive Weiudewirtschaft betreiben, prakisch keiner. Wie alle vorinstriellen Völker identifizieren sich die Tuareg über ihre Kultur, das ist vorrrangig ihre Sprache. Die Sprache nennt man im Norden (Ahaggat, Ajjer) Tamashek, im Süden (Air) Tamajaq oder auch Tamahaq.

Durch eine erfolgreiche Rebellion Anfang der 90er Jahre erkämpften sich die Tuareg unter anderem Rechte auf ihre Kultur. Dazu gehört vorrrangig das Recht auf eigene Schulen und vor allem Unterricht in ihrer Muttersprache. Schulen sind in Niger Privatsache, die auch privates Geld kostet. In der Regel wird in diesen Privatschulen in Französisch unterrichtet. Die Schulen des von uns betreuten Projektes unterrichten als erstes in der Muttersprache Tamajaq und erst später dann in Französisch. Untersuchungen der GTZ haben nämlich ergeben, dass Kinder aus diesen Experimentalschulen - wie sie offiziell genannt werden, - einen größeren Lernfortschritt und Intelligenzzuwachs erzielen als Kinder anderer Schulen, die nur in Französisch unterrichtet werden. Der Unterricht in der Muttersprache - in Niger auch "Natinonalsprache" genannt - , fördert zudem die kulturelle Identität. Das ist ungemein wichtig, weil die Tuareg, als Minderheit, umgeben von Haussa und anderen Völkern, in Gefahr laufen, ihre eigenen Kinder irgendwann nicht mehr zu verstehen.

Ein Lehrbuch in einer Sprache wie Tamajaq zu machen ist nicht einfach. In Zusammenarbeit mit Lehrern vor Ort hat der international anerkannte Linguist und Spezialist für Berberspachen, Prof. Dr. Prasse die Redaktion dieser Bücher übernommen. Karl G. Prasse berücksichtigt dabei auch die verschiedenen Dialekte und hat deine sogenannte "diakritische Schrift" mit einem ausgeklügelten Vokalsystem entwickelt. In Seminaren werden die Lehrerdann geschult mit dieser Schrift umzugehen. Der Cargo Verlag Edgar Sommer hat den Font für diese Schrift programmiert und Karl G. Prasse zur Verfügung gestellt. Dabei werden etwaige Probleme mit den Tuareg-Koordinatoren vor Ort per Fax abgeklärt und schliesslich umgesetzt. Kurz: Linguistisch ist das eine Herausforderung. Doch die praktische Umsetzung ist - wer Afrika kennt wird das bestätigen können - ist nicht minder eine Herausforderung.Edgar Sommer macht diese praktische Arbeit mit einigen geeigneten Mitgliedern der NGO CARGO e.V. vor Ort und sorgt unter anderem dafür, dass die Bücher auch in den Schulen ankommen und angewendet werden. Inzwischen wurden neue Schulen gegründet, allein aufgrund der Tatsache, dass es diese Bücher gibt! Zur Zeit gibt es 10.000 Bücher, 100 Grammatiken und 100 Wörterbücher.

Es fehlen noch zwei Lesewerke, an denen zur Zeit gearbeitet wird. Allerdings besteht noch eine Finanzierungslücke. Wir bitten deshalb alle Freunde der Tuareg für dieses Projekt zu spenden. Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Hier das Konto:

CARGO e.V.
KontoNr. 35897651
bei Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg
BLZ 269 513 11
- "Für Projekt Tuareg-Schulen in Niger"


Tannemert! Danke, Merci!
Heike Miethe Sommer